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Good night stories

 

 1. Stift Breunau
 

Das Stift Breunau ist ein vergessenes Kleinod unter den Prager Sehenswürdigkeiten, obwohl es zu den Institutionen auf dem Gebiet von Prag gehört, die am längsten funktionieren; seine Existenz datiert seit 14. Januar 993. Es sind nur noch die Prager Burg und (wahrscheinlich) Wyschehrad, die länger funktionieren.

Die Gründer des ersten Männerklosters waren der zweite Prager Erzbischof Adalbert und der Herzog Boleslav II., Neffe des heiligen Wenzels. Nach der Legende hat Gott den beiden einen Ort unweit von Prag bezeichnet, wo sie ein neues Kloster erbauen sollten. Am nächsten Tag haben sie sich überrascht im Wald getroffen, wo ein gefallener Baum dem Zutritt zum Brünnlein hinderte. Plötzlich kam ein Hirsch zur Quelle, konnte aber nicht trinken, da es der Baumstamm nicht erlaubt hatte. Der Bischof Adalbert und Herzog Boleslav haben mit gemeinsamen Kräften den Baum weggerollt. Zur Erinnerung an dieses Ereignis haben sie das neu gegründete Kloster Breunau („Břevnov“) genannt und der Balken („břevno“) mit dem Brünnlein wurden auf dem Klosterwappen abgebildet.

Nachdem die Hussiten die Breunauer Abtei im Jahr 1420 geplündert hatten, ist es erst am Ende des 17. Jahrhunderts gelungen, das Kloster zu renovieren. Es hat jedoch seine damalige Bedeutung nie wieder gewonnen.

Auch im 20. Jahrhundert hatte das Kloster eine bewegte Geschichte. Der vorletzte Abt, Anastáz Opasek, wurde während des kommunistischen Regimes am Anfang der 50er Jahre verhaftet und ins Arbeitslager gesteckt. Das Kloster hat dem Innenministerium zugefallen und die meisten Gebäude dienten als Archiv. Außerdem befand sich im Kloster auch das Trainingszentrum der Spionageabwehr. Die Pfarre hat trotzdem im begrenzten Maße funktioniert, obwohl ihre Pfarrer Agenten der Staatssicherheit waren. Im Jahr 1977 wurde hier der Philosoph Jan Patočka, einer der ersten Sprecher der Charta 77, begraben. Er unterlag der Erschöpfung aus den zahlreichen Verhören der kommunistischen Geheimpolizei. Der Trauerakt wurde jedoch durch den Lärm eines Militärhubschraubers gestört, der während der Zeremonie über dem Friedhof absichtlich gekreist hatte.

Heutzutage wird das Stift Breunau wieder von dem Benediktinerorden verwaltet und es wurde zum bedeutenden kulturellen Zentrum von Prag 6. In der Barock-Basilika der heiligen Margarete finden Orgelkonzerte statt und im Klostergarten kann man sich schön ausruhen. In der Barock-Orangerie findet man eine Galerie. Dazu befindet sich im Klosterareal ein altböhmisches Restaurant, wo man außer anderem Bier aus der hiesigen Minibrauerei probieren kann. Diese hat im Jahr 2012 auf die Tradition der ältesten Brauerei in Tschechien angeknüpft. Trotz seiner Nähe zur Prager Burg kann man im Stift Breunau Asyl vom übervölkerten Zentrum Prags finden, ohne sich hier zu langweilen.

  

               

02. Königshof
 

Das Grandhotel Bohemia steht in der Králodvorská Straße. Diese Straße ist heutzutage die einzige Erinnerung an die ehemalige königliche Residenz in der Altstadt, welche hier über vier Jahrhunderte stand. Als königlicher Sitz diente sie jedoch nur hundert Jahre, dann gelang sie in private Hände. Im 17. Jahrhundert ist der Königshof heruntergebrannt und obwohl er wieder erbaut wurde, wurde er allmählich baufällig und am 1903 kam es zu dessen Abriss. Auf dessen Stelle steht heute das prachtvolle, im Jugendstil gebaute Gemeindehaus (im Jahr 1912 beendigt).

Das Schicksal des Königshofs ist typisch und ähnelt dem Schicksal seines Gründers, des Königs Wenzel IV., Sohn des Kaisers Karl IV. Im Unterschied zu seinem Vater war Wenzel nicht so fähig als Herrscher und verlor als Ergebnis seiner Untätigkeit die deutsche Kaiserkrone. Während Karl IV. hinter sich die Karlsbrücke, den St. Veitsdom, die Neustadt und andere Sehenswürdigkeiten gelassen hat, wurde Wenzels Königshof abgerissen und vergessen. Wenzel hat aber mindestens Geschichten hinter sich gelassen, wie z. B. die über die Baderin Susanne.

Während seiner langen Regierung (mit 42 Jahren auf dem tschechischen Thron gehört er zu den am längsten regierenden tschechischen Königen) kämpfte er oft mit dem trotzigen Adel und mit seinen Brüdern. Er wurde mehrmals gefangen, zum letzten Mal gerade in Königshof. Die Legende sagt, wie es ihm gelang zu flüchten. Obwohl er Gefangener war, haben ihm seine Kerkermeister immer als ihren König geehrt und gewährten ihm allen Komfort. Er hat also beim Besuch des Altstädter Bades seine Flucht geplant. Aus dem Bad, wohin ihm die Wachen nicht gefolgt hatten (da sie nicht angenommen haben, die Flucht von dort wäre möglich), leitete ein enges Gesims über die Moldau. Von dort hatte er sich mit der Baderin verabredet, die unten am Fluss Leinen wusch, in die sich die Badbesucher einhüllten. Sie hat ein Leinen schnell zertrennt und Wenzel geworfen, der sich daran zum Ufer niederlassen hat. Dann haben sie zusammen den Fluss auf einem Boot übersegelt, haben das Boot umgekippt, um einen Unfall zu fingieren, und sind am anderen Ufer gegen den Strom allmählich bis zum Wenzels Burgstall geraten.

Der König hat die Baderin reichlich belohnt und sie wurde Besitzerin des Altstädter Bades, das heute jedoch den Namen des Kaisers Karl trägt. Nach Wenzel ist wieder mal nur eine Geschichte geblieben.

 

   

 

03. Letná
 

Die Letná-Ebene ist die Fortsetzung des Hügels, auf dem die Prager Burg steht. Im Unterschied zu diesem Hügel blieb sie aber fast unbebaut und dient als öffentlicher Park. Der Spaziergang an seinem südlichen Rand bietet ein paar wunderschöne Aussichten auf die Stadt. Es war aber nicht immer so.

Im 19. Jahrhundert hat man die Durchbohrung von Letná erwägt, um das nördliche Ufer der Moldau mit Zentral-Prag zu verbinden. Das Projekt wurde aber nicht realisiert und die Verbindung erfolgte erst mit dem Letná-Tunnel, der im Jahr 1953 beendet wurde. Dadurch kam es zur Verbindung von Prag 7 und Prag 1 bei gleichzeitiger Erhaltung der Ganzheit von Letná.

Der ausgedehnte Park ist für große Versammlungen geeignet. Während in der Zwischenkriegszeit hier die Sokol-Kongresse stattfanden, bei denen Zehntausende von Turnenden ihre Pflichten geturnt haben, fanden hier während der kommunistischen Regime die Mai-Manifestationen statt. Letná war jedoch auch Zeuge verschiedener antikommunistischer Demonstrationen am Ende des Jahres 1989. Seit damals wird die Fläche für Konzerte genutzt – z. B. von Rolling Stones oder Michael Jackson (1997).

An der Stelle einer der Aussichten sollte die Statue des Gründers und des ersten Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik Tomáš Garrigue Masaryk stehen. Dies wurde jedoch nie realisiert. Stattdessen wurde hier das Stalin-Denkmal erbaut. Es war die Ironie des Schicksals, das hinter ihn dieselben Autoren standen. Dieses Denkmal war das größte seiner Art in Europa. Zum Glück wurde das Denkmal nur ein Jahr vor der Entstalinisierung beendet und der längere Teil seiner Existenz wurde also der Frage seiner Liquidierung gewidmet (1962). Die Liquidierung stellte aus technischer Hinsicht eine harte Nuss dar. Der Abriss des 15 Meter hohen Denkmals, das im Volksmund den Spitznamen „Warteschlange beim Metzger“ („Fronta na maso“) hatte, dauerte mehrere Wochen. An dessen Stelle sollte danach das Denkmal der Befreiung von Tschechoslowakei durch die Rote Armee entstehen, dies wurde jedoch dank der Regime-Änderung nie realisiert.

Seit 1991 steht auf dem einsamen Piedestal ein Pendel, von seinem Autor „Zeitmaschine“ („Stroj času“) genannt. Es wurde hier im Rahmen der Allgemeinen tschechoslowakischen Exposition gestellt, die genau 100 Jahre nach der Jubiläumsausstellung stattgefunden hat, welche die erste Industrieausstellung in Europa aus dem Jahr 1791 feierte. Die Zukunft wird es zeigen, ob das Pendel hier bis zur nächsten Ausstellung im Jahr 2091 aushalten wird.

 

   

04. Prager U-Bahn (Metro)
 

Die Pläne für den Aufbau der Prager U-Bahn reichen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. In Hinsicht darauf, dass es damals erst zur Ersetzung der Pferdeeisenbahn durch ein Netz von Straßenbahnstrecken kam, handelte es sich um vorzeitige Ideen. Die ersten seriösen Pläne stammen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von den Ingenieuren Bohumil Belada und Vladimír List. Es ist bemerkenswert, dass die von ihnen entworfene Trassenführung fast identisch mit dem gegenwärtigen Bestand der Prager U-Bahn ist, obwohl sie erst lange nach dem Krieg erbaut wurde, der das ursprüngliche Projekt eingestellt hatte.

Die Situation im öffentlichen Verkehr in den 60er Jahren war trostlos und daher hatte der Aufbau der U-Bahn rasch angefangen. Diese wurde zuerst zwar als eine unterirdische Straßenbahn entworfen, bald wurde sie aber zum selbstständigen Verkehrstyp. Der Nachlass der ursprünglichen Pläne ist die heutige Gestalt der Station Hauptbahnhof. Ursprünglich hat man auch mit Metrozügen aus tschechischer Produktion gerechnet. Die Änderung der politischen Situation nach der Okkupation der Tschechoslowakei durch die UdSSR im Jahr 1968 hat jedoch auch diese rein technischen Aspekte beeinflusst. Der Unfall bei einer der Probefahrten des tschechoslowakischen Metrozuges wurde dazu ausgenutzt, die UdSSR zum exklusiven Lieferanten der neuen Züge zu machen. Dies war aber nicht ohne Folgen, da die in derselben Zeit gebaute Nusle-Brücke für die leichteren tschechoslowakischen Züge entworfen wurde und die schwereren sowjetischen Züge einen negativen Einfluss auf ihre Statik hatten. Deshalb wurde die Linie C, die durch die Brücke führt, zur ersten, an der die sowjetischen Züge durch modernere ersetzt wurden.

Die größte Katastrophe in der Geschichte der Prager U-Bahn war die Überflutung in August 2002. Damals wurden 19 Stationen im Zentralteil von Prag überflutet und nur gewählte Abschnitte in der Vorstadt blieben in Betrieb. Der Ersatzverkehr wurde durch die Straßenbahn- und Buslinien bis zum Frühling 2003 gesichert. Die Prager sowie die Besucher der Hauptstadt haben damals gefühlt, inwiefern die U-Bahn im Rahmen des öffentlichen Verkehrssystems die Schlüsselrolle spielt.

Im Zusammenhang mit der Überflutung der Prager U-Bahn ist bemerkenswert, dass die kommunistische Führung während des kalten Krieges mit dem Tunnelkomplex als mit einem Atombunker gerechnet hatte. Die Überflutungen haben gezeigt, wie todbringend die U-Bahn in solchem Fall sein würde. Das eindringende Wasser aus der Moldau hat zugleich Räume entdeckt, über die die Arbeiter des Verkehrsbetriebs bisher gar nichts geahnt hatten.

Heutzutage messen die drei Linien der Prager U-Bahn 65 km und umfassen 61 Stationen. Der Bau der lange geplanten Linie D sollte in absehbarer Zeit beginnen. 

   

05. Grand Hotel Bohemia
 

Grandhotel Bohemia 1948‒1989
Als im Jahr 1948 in der Tschechoslowakei die Kommunisten an die Macht kamen, änderte sich das Leben aller Tschechoslowaken über Nacht. Da die Kommunisten innerhalb von ein paar Jahren alle Formen von Privatunternehmen unterbanden, war es nicht mehr möglich, das Grandhotel Steiner/Bohemia wie bisher zu betreiben. Es wurde ohne Ersatz enteignet und in Hotel Praha umbenannt. Es wurde auch für die Öffentlichkeit geschlossen, da es für 40 lange Jahre zum Hauptlieferant von gastronomischen Diensten für das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei wurde.

Da das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei das Hauptorgan der Staatsgewalt war, bedeutete dies für das Hotel nicht nur die Sicherstellung von gastronomischen Dienstleistungen während unterschiedlicher Staatsbesuche, sondern auch die Betreibung von Erholungszentren für die neue Staatsaristokratie außerhalb Prags, einschließlich des sommerlichen Präsidentensitzes in Lány. Die bedeutendsten Veranstaltungen fanden jedoch direkt in der Prager Burg statt und das Hotel Praha übernahm vollständig die Versorgung dieser Veranstaltungen. Dazu gehörten zum Beispiel feierliche Mittagessen zum Amtsantritt von tschechoslowakischen Präsidenten, aber auch die kulinarische Betreuung der Besuche von führenden Vertretern vor allem aus befreundeten Ländern des sozialistischen Blocks.

Aus fachlicher Sicht war das jedoch Glück im Unglück. Im Hotel konzentrierten sich Spitzenfachmänner mit langjähriger Berufserfahrung aus den namhaften Vorkriegsbetrieben. Auch deswegen hatte die Erziehung der Lehrlinge, die hier seit den sechziger Jahren ihre Ausbildung absolviert hatten, ein hohes Niveau. Und viele der Absolventen gehören bis heute zu anerkannten Profis im Hotel- und Restaurantgewerbe.

Der neubarocke Salon Boccaccio im Souterrain des Hotels wurde wiederholt von Filmmachern genutzt. In dem beliebten tschechischen Film Der Engel mit dem Teufel im Körper (1983) kehrte der Salon sogar kurz in die Zeit seines größten Ruhms zurück – in der Zwischenkriegszeit hatte sich nämlich die Prager High Society aus den besten Kreisen im hiesigen Kabarett getroffen.

Am Anfang der 80er Jahre, als in Prag 6 das neue Hotel Praha geöffnet wurde, änderte sich die Situation allerdings. Auch das neue Hotel war für die Öffentlichkeit ganz geschlossen und diente ausschließlich der Unterbringung von Regierungsgästen und verschiedenen staatlichen Veranstaltungen. Auch ein Teil des Personals wurde vom neuen Hotel übernommen. Im alten Hotel Praha wurde dann die Begleitung der Regierungsdelegationen untergebracht, wobei die VIP Gäste im neuen Hotel unterkamen. Es ist die Ironie des Schicksaals, dass das neue Hotel Praha heute nicht mehr steht, denn es wurde von einem Privateigentümer 2015 niedergerissen. Und so überlebte das Hotel Steiner / Praha / Bohemia nicht nur die kommunistische Ära, sondern auch seinen Nachfolger glücklich.

 

  

06. Gründung von Prag
 

Da das heutige Gebiet Tschechiens außerhalb des damaligen Römischen Reiches lag, sind die hiesigen Siedlungen viel jünger als die südlich oder westlich liegenden Gebiete. Wien, Budapest und die Städte in Süddeutschland haben oft an der Stelle der ursprünglichen römischen Lager entstanden (diese haben wiederum anstelle von keltischen Siedlungen entstanden). Trotzdem datieren die Historiker die Entstehung Prags mindestens in das 9. Jahrhundert, wobei als Gründer der Prager Burg Fürst Bořivoj aus der Dynastie der Přemysliden (Großvater des heiligen Wenzels, Patrons der böhmischen Länder) betrachtet wird.

Die Sage von der Entstehung Prags ist mit der mythischen Fürstin Libussa, Gründerin der Dynastie der Přemysliden verbunden, die in Böhmen vom Ende des 9. Jahrhunderts bis zum Anfang des 14. Jahrhunderts herrschte (und gehört so zu den am längsten herrschenden mittelalterlichen Dynastien). Libussa hatte eine Sehergabe. Nach der Legende hat sie Boten aus ihrem Sitz in Wyschehrad gesendet, damit sie einen neuen Sitz auf dem Hügel von Hradschin gründen, und zwar an der Stelle, wo sie einen Mann finden, der eine Schwelle zimmert. Danach sollten sie die neue Burg Prag nennen. Sie hat Prag den Ruhm vorausgesagt, der bis zu den Sternen reicht.

Obwohl sich nur um eine Sage handelt, der Zusammenhang des Namens „Praha“ (Prag) mit dem Wort „práh“ (Schwelle) ist nicht ganz ausgeschlossen. Laut einer Theorie sollte sich der Name auf eine Flussschwelle an der Moldau beziehen, deren wichtige Schwemme von der Prager Burg überwacht wurde. Laut einer anderen verbreiteten Ansicht wurde der Name „Praha“ von dem Wort  „pražit“ (prallen) abgeleitet, da der heutige Hügel von Hradschin entweder von der Sonne oder durch Menschentätigkeit (Verbrennung der ursprünglichen Vegetation) geprallt wurde.

Da die Etymologie des Namens von Prag nicht zuverlässig nachgewiesen werden kann, huldigen manche Forscher, dass es sich um einen vorslawischen Namen handelt, der bis zu den Kelten reicht. Ihr zentrales Oppidum befand sich jedoch am heutigen südlichen Rand von Prag, was heißen würde, dass wir den Kelten nicht nur für den lateinischen Namen von Böhmen – Bohemia (nach dem Stamm der Boier), sondern auch für den Namen unserer Hauptstadt zu verdanken haben. 

Der unklare Ursprung des Namens von Prag stellt kein Hindernis dar. Prag wird weiter golden, hunderttürmig und wunderschön bleiben. Und über ihren Namen können wir beim Glas Bier – einer weiteren keltischen Errungenschaft, die in Tschechien ebenfalls einheimisch wurde – diskutieren.

 

   

07. Žižkow

In der Nähe von Grandhotel Bohemia liegt das Stadtviertel Žižkow, das rund um die Uhr lebt. Ähnlich wie der Pariser Montmartre erstreckt sich Žižkow auf einem Berg, von dem eine schöne Aussicht auf das Stadtpanorama ist. Die ursprünglichen Weinberge, die auf den Hügeln hinter den Stadttoren auf Befehl des Kaisers und Königs Karl IV. schon seit Mitte des 14. Jahrhunderts gegründet worden waren, wurden vor 100 Jahren durch ein Netz von spontan aufgebauten steilen Straßen ersetzt, die diesem Stadtviertel einen einzigartigen Charakter verleihen.

Schon kurz nach seiner Entstehung am Ende des 19. Jahrhunderts gehörte Žižkow dank seiner dichten Bebauung zu den größten böhmischen Städten. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde es zum Stadtteil von Prag. Damals lebten hier vor allem ärmere Bevölkerungsschichten. Die Zusammensetzung der Bevölkerung änderte sich jedoch im Verlauf der Zeit und heutzutage gehört Žižkow zu den gesuchten Lokalitäten, vor allem unter jungen Leuten, und zwar nicht nur wegen seiner Nähe zum Stadtzentrum, sondern auch für seine lockere Atmosphäre und die Menge von Tages- und Nachtlokalen. Jeder kommt sich auf das seinige – es gibt Hipster-Cafés, Nachtclubs, Familienbäckereien, Bierlokale, Gartenrestaurants sowie klassische (damals qualmige) Kneipen. Wer schon genug von dem Lärm hat, wird in dem Schatten des Rieger-Parks Ruhe finden.

Žižkow wurde nach dem berühmten Heerführer der Hussiten Johann Žižka von Trocznow genannt. Žižka blieb trotz seiner Behinderung (er verlor allmählich beide Augen) bis zu seinem Tod unbesiegbar. Hier in Žižkow ließ er der Legende nach seine Soldaten um den Fuß des Berges herum fahren, wobei nach jeder Runde die Fahnenträger ihre Fahnen getauscht hatten. Somit schien die Armee riesig zu sein  und die erschrockenen Kreuzritter, die die Tapferkeit der Hussitenkrieger bereits kannten,  haben sich lieber zurückgezogen, trotzdem sie tatsächlich in Überzahl waren. Und nach der Militärgeschichte sind die wertvollsten Siege diejenigen, die ohne Kampf erreicht wurden. Heute erhebt sich über Žižkow eine Statue, die unter die größten Reiterstandbilder auf der Welt gehört.

Auch dank dieser Statue können Sie den Weg nach Žižkow nicht verfehlen, da er sich zwischen der Statue und dem nicht allzu schönen, sondern unübersehbarem Fernsehturm befindet. Während dem Aufbau des Fernsehturms gab es Gerüchte, dass es sich tatsächlich um eine Rakete mit einem Nuklearkopf handelt. Das ist selbstverständlich nicht wahr, wir können aber bestätigen, dass Sie aus dem Aussichtsrestaurant die Stadt auf der Handfläche haben werden.

   

 

08. Boccaccio

 

Der Tanzsaal Boccaccio ist der einzige Teil des Grandhotels Bohemia, der in seiner ursprünglichen Form erhalten wurde. Der Saal befindet sich im Souterrain des Hotels und ist auch für Sie zugänglich. Bei dessen Besuch werden Sie gegen den Zeitstrom gehen und in den anscheinend sorgenfreien 20er Jahren geraten, wenn auf hiesigem Marmorparkett Paare im Rhythmus von Tango gekreist hatten. In einer historischen Reportage, die kurz nach der festlichen Eröffnung von Grand-Hotel Steiner im Jahr 1927 veröffentlicht wurde, wird Boccaccio als ein intimer und aristokratischer Saal beschrieben, der zum Tanz lockt. So war es tatsächlich in der goldenen Ära der Bar Boccaccio, wie der Saal damals hieß.  In den 30er und 40er Jahren traf hier die Prager Elite, um Vergnügen im höchsten Stil zu genießen.

Obwohl Boccaccio im Neorokokostil erbaut und mit prachtvollem Stuck, Vergoldung und traditionellem böhmischen Kristall  dekoriert  wurde, handelte es sich damals um ein sehr modern eingerichtetes Lokal, das von dem Hauptgebäude des Hotels so getrennt wurde, dass die Hotelgäste nicht gestört wären. Die qualmige Luft aus dem unterirdischen Saal wurde von leistungsfähiger Lufttechnik abgezogen, die zugleich frische Luft zugeleitet hatte, die im Winter geheizt wurde.

Die mit der Machtübernahme der Kommunisten im Jahre 1948 verbundenen gesellschaftlichen Änderungen haben den üppigen Partys Einhalt getan. Nicht nur wurde die vermögende Klientel fast über Nacht zum gejagten Klassenfeind, sondern war Prunk in den folgenden Jahrzehnten nicht mehr modisch. Dazu wurde das von den Kommunisten für ihre Zwecke besetzte Hotel für die Öffentlichkeit geschlossen.

An die Zeit seiner größten Berühmtheit hat sich Boccaccio noch am Anfang der 80er erinnert, und zwar dank den Filmemachern. Den haben die damals schon ziemlich moosige Logen, abgebröckelter Stuck und rauchgeschwärzter Kristall-Kronleuchter als tolle Kulissen für den Film Ein Engel mit dem Teufel im Leib (Anděl s ďáblem v těle) gedient.  Danach kehrten die Filmemacher noch mehrmals zurück.

Nach der Samtenen Revolution im Jahre 1989 ist das Hotel wieder in private Hände geraten  und eine gründliche Renovierung hat dem Saal Boccaccio seinen ehemaligen Glanz zurückgegeben. Es gelang sogar, einige ursprüngliche Elemente zu erhalten, über die der einzigartige Kristall-Kronleuchter aus 4000  handgeschliffenen Teilchen thront.

Seine Lokation im Untergeschoss wurde für Boccaccio jedoch während der katastrophalen Überflutungen, die in ganz Tschechien am Ende des Sommers 2002 angegriffen haben, fatal. Obwohl die Moldau relativ weit entfernt liegt, wurde der Saal mit dem Wasser aus der Kanalisation bis zur Höhe von ca. 1 Meter überschwemmt und das berühmte Tanzparkett wurde zum Boden eines Schlammtümpels.  

Boccaccio hat jedoch auch diese Probe überstanden und heutige Gäste vergnügen sich so gut wie in den alten Zeiten. Neben den Privatpartys findet hier regelmäßig das Musikprogramm Ein Abendessen mit Mozart statt, das für alle Alterskategorien bestimmt ist – Sie sind herzlich geladen. Sie können auch bloß die Treppe heruntergehen und die Atmosphäre der Zeit genießen, die sonst nur noch im Film zu sehen ist. Boccaccio erwartet Sie mit offenen Armen.